Am vergangenen Sonntagmorgen trafen sich die Gefahrgutzüge der Stadtfeuerwehren aus Seelze, Barsinghausen, Gehrden, Ronnenberg und der Gemeindefeuerwehr Wennigsen zu einer gemeinsamen Gefahrgutübung im Seelzer Stadtteil Letter.

Mit dieser ersten gemeinsamen Übung sollte die Interkommunale Zusammenarbeit bei Gefahrguteinsätzen mit gefährlichen Stoffen größeren Umfangs im Brandabschnitt vertieft werden.
Ausgangslage war ein Güterzug auf dem Gelände der Firma Sülze Stahlhandel an der Industriestraße, aus dem bei einem Wagon Flüssigkeit austrat. Anhand der Gefahrguttafel konnten die Kräfte der zuerst eintreffenden Feuerwehr Seelze feststellen, dass es sich bei der auslaufenden Flüssigkeit um Styren (UN 2055) handelt, ein entzündbarer flüssiger Stoff, der giftige und ätzende Dämpfe und unter Temperatur explosionsfähige Stoffe freisetzen kann.
Entsprechend der Übungsvorgabe erhöhten die Seelzer Kräfte daraufhin die Alarmstufe, sodass die Gefahrgutzüge der anderen Stadtfeuerwehren des Brandabschnitt 2 sowie der Einsatzleitwagen der Feuerwehrtechnischen Zentrale aus Ronnenberg und ein Rettungswagen des Roten-Kreuz aus Garbsen alarmiert wurden.

Nach dem Eintreffen der unterstützenden Kräfte wurden sofort Einsatzabschnitte mit den Aufgaben Messen, Warnen, Leckagebeseitigung, Umpumpen und Dekontamination gebildet.
Während die Einsatzkräfte aus Gehrden sofort eine Dekontaminationstrecke aufbauten, rüsteten sich die Mitglieder der Feuerwehren aus Barsinghausen, Wennigsen und Ronnenberg mit Chemikalienschutzanzügen aus.
Unter diesem Schutz gingen die Trupps zur Erkundung vor. Dabei stellten sie in dem geschlossenen Güterwagon einen beschädigten sogenannten IBC-Tankcontainer fest, aus dem Stoff austrat.
Im zweiten Angriff wurde das Leck abgedichtet und letztendlich der Inhalt mit einer Fasspumpe in einem zweiten IBC-Container umgepumpt.
Gleichzeitig befuhren Angehörige der Ortsfeuerwehr Seelze mit einem Erkundungsfahrzeug die Umgebung und führte fiktive Luftmessungen durch. Dieses Fahrzeug wurde erst anlässlich der Blaulichtmeile im Juni übergeben und verfügt über zahlreiche Möglichkeiten von Messungen der Umwelt auf verschiedene Stoffe sowie Analysemöglichkeiten dieser Stoffe.
Angehörige der Stadtfeuerwehr Wennigsen befuhren währenddessen nach einem festgelegten Plan mit mehreren Fahrzeugen die anliegende Straße in Letter und führten Warndurchsagen für die Anwohner durch, natürlich auch nur fiktiv.
Als Erweiterung der Übung trat ausgelaufener Gefahrstoff über ein Kanalisationsrohr in den angrenzenden Lindener Seitenkanal aus. Dort wurde daraufhin ein weiterer Einsatzabschnitt gebildet und der Ortsfeuerwehr Seelze zugewiesen. Mit Hilfe eines Feuerwehrbootes wurde auf dem Kanal eine sogenannten Ölschlängelleitung ausgelegt.

Als weitere Erschwernis für die übenden Kräfte wurde ein Atemschutznotfall am betroffenen Güterwagon gemeldet. Dort war eine Einsatzkraft im schweren Chemikalienschutzanzug zusammengebrochen.
Unverzüglich wurde ein Rettungstrupp, ebenfalls in Chemikalienschutzanzügen, zur Personenrettung eingesetzt. Die Schwierigkeit stellte sich dann bei der Dekontaminationsstrecke, da sich der Verunfallte, eine Übungspuppe, nicht bewegen konnte und so die Dekontamination erschwerte. Sie wurde anschließend dem mitübenden Rettungsdienst übergeben.
Nach vierstündiger Übungsdauer konnte die Übung um 14:00 Uhr beendet werden, an der 74 Angehörige der Brandabschnitts 2 teilgenommen hatten.
Ausgearbeitet hatten die komplexe Übung der Gefahrstoffkoordinator im Brandabschnitt 2, Daniel Grone-Blume, und Alexander Scholl von der Ortsfeuerwehr Seelze. Kristof Schwake, Leiter des Brandabschnitts 2, zeigte sich am Ende der Übung sehr zufrieden. Insbesondere die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Feuerwehren, die erstmals gemeinsam so eine Lage bewältigen mussten, hat hervorragend funktioniert. Er bedankte sich ausdrücklich bei den beteiligten Kräften, die auch aus den einzelnen Ortsfeuerwehren ihrer Stadtfeuerwehr kamen, für ihr Engagement.
Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse werden zukünftig weitere Übungen in der Zusammensetzung durchgeführt und zudem spezielle Aufgaben bei ABC-Einsätzen an einzelne Stadtfeuerwehren übertragen.
Ein besonderer Dank ging an die Firma Sülze Stahlhandel, auf deren umfangreichen Firmengelände die Übung stattfand sowie an die Deutsche Bahn, die extra eine Rangierlokomotive und zwei Güterwagen zur Verfügung stellte.
Text und Bilder: Jens Köhler, Stadtpressesprecher Freiwillige Feuerwehr Stadt Seelze